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Putin-Unterstützer kritisieren Rekrutierungs-Chaos




Die Kritik an der Teilmobilisierung in Russland wird lauter – auch von Kreml-Unterstützern. Die offenbar mangelnde Erfahrung der Rekruten ist vielen ein Dorn im Auge.Die russische Mobilmachung sorgt nun auch bei Anhängern von Präsident Wladimir Putin zunehmend für Kritik. Die Chefredakteurin des Staatssenders RT, Margarita Simonyan, wetterte auf ihrem Telegram-Kanal gegen das chaotische Vorgehen der Behörden. “Es wurde bekannt gegeben, dass Gefreite bis zum Alter von 35 Jahren rekrutiert werden können. Die Vorladungen gehen an 40-Jährige”, erklärte Simonyan. “Sie machen die Leute wütend, als ob sie das absichtlich tun, als ob sie es aus Bosheit tun. Als ob sie von Kiew geschickt worden wären.”Seit Beginn des russischen Einmarschs in der Ukraine vor sieben Monaten war kaum Kritik von kremlfreundlicher Seite zu hören. Doch Simonyan ist nicht allein. Am Samstag erklärte der Vorsitzende des Kreml-Menschenrechtsrates, Waleri Fadejew, dass er Verteidigungsminister Sergej Schoigu schriftlich aufgefordert habe, Probleme mit der Mobilisierung “dringend zu lösen”.”Als hielten sie uns alle für Wehrdienstverweigerer”In einem Beitrag auf Telegram kritisierte er die Art und Weise, wie Ausnahmeregelungen angewandt wurden. Er verwies auf mehrere Fälle von unangemessener Einberufung, darunter Krankenschwestern und Hebammen ohne militärische Erfahrung. “Einige (Rekrutierer) händigen die Einberufungspapiere um zwei Uhr morgens aus, als hielten sie uns alle für Wehrdienstverweigerer.”In den vergangenen Tagen gab es aus verschiedenen Teilen Russlands Berichte über Männer, die Einberufungsbefehle erhalten haben, obwohl sie keine militärische Erfahrung oder das Einberufungsalter überschritten haben.”Illegale Mobilmachungsbescheide” Auch der amerikanischen Think-Tank “Institute for the Study of War (ISW)” berichtet über Widerspruch innerhalb Russlands. “Russische Pro-Kriegs-Mililtärblogger und Social-Media-Nutzer äußern Bedenken über rechtswidrige Mobilisierungspraktiken und zeigen am zweiten Tag der Mobilisierungsbemühungen viele schwerwiegende russische Mobilisierungsprobleme. Russische Blogger berichteten von zahlreichen Beschwerden von Social-Media-Nutzern, dass ältere Männer, Studenten, Angestellte der Militärindustrie und Zivilisten ohne vorherige militärische Erfahrung illegale Mobilmachungsbescheide erhalten”, schreibt das Institut in seiner Analyse und beruft sich auf entsprechende Berichte in russischen Telegram-Kanälen.Einige russische Betreiber von Telegramkanälen hätten festgestellt, dass russisches Rekrutierungspersonal Männer mit vorherigem Militärdienst ganz anderen Spezialisierungen zuweise als denen, in denen sie gedient haben. Andere Quellen berichten von Fällen militärischer Rekrutierungszentren, die Männer mit chronischen Krankheiten mobilisierten.Vize-Verteidigungsminister ersetztIn einem weiteren seltenen öffentlichen Zeichen von Unruhe an der Spitze teilte das russische Verteidigungsministerium am Samstag mit, dass der für Logistik zuständige Vize-Verteidigungsminister Dmitri Bulgakow ersetzt worden sei. Der Vier-Sterne-General solle “eine andere Aufgabe” übernehmen. Das Ministerium nannte keine weiteren Einzelheiten.Russland zählt offiziell Millionen ehemaliger Wehrpflichtiger als Reservisten – potenziell fast die gesamte männliche Bevölkerung im kampffähigen Alter. Der Erlass vom Mittwoch, mit dem die “Teilmobilmachung” angekündigt wurde, enthielt keine Kriterien dafür, wer einberufen wird. Offiziellen Angaben zufolge werden 300.000 Soldaten benötigt, wobei Personen mit aktueller militärischer Erfahrung und wichtigen Fähigkeiten Vorrang hätten. Das russische Präsidialamt hat Berichte zweier im Ausland ansässiger Medien dementiert, wonach eine verheimlichte Klausel im russischen Mobilisierungsdekret die Einberufung von mehr als einer Million Reservisten vorsieht.Seit der Ankündigung der ersten Mobilmachung in Russland seit dem Zweiten Weltkrieg versuchen zahlreiche russische Männer einer Einberufung durch eine Flucht ins Ausland zu entgehen. An den Grenzen zur Mongolei, Kasachstan, Finnland oder Georgien haben sich zeitweise lange Schlangen gebildet. Am Samstag riet das Innenministerium der russischen Region Nordossetien davon ab, das Land am Grenzübergang Werchny Lars in Richtung Georgien zu verlassen. Dort stauten sich den Angaben zufolge 2.300 Autos.



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